Exporte innerhalb Europas bügeln Schwächen in USA und China aus
ZVEI prognostiziert für 2026 Wachstum in der deutschen Elektroindustrie
Mittwoch, 28. Januar 2026
| Redaktion
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Entwicklung der deutschen Digital- und Elektroindustrie 2025
Entwicklung der deutschen Elektro- und Digitalindustrie 2025, Bild: ZVEI

Nach Jahren der Stagnation und Rückgänge signalisiert die deutsche Elektroindustrie für 2026 positive Signale. Der ZVEI Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik geht davon aus, dass sich Produktion und Exporte stabilisieren und erneut wachsen werden. Dr. Gunther Kegel, Präsident des ZVEI, spricht von einer konsolidierten Entwicklung und einem erwarteten realen Produktionsplus: „Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen. Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent.“

Entwicklung von Umsatz, Beschäftigung und Export der Elektroindustrie

Für das Jahr 2025 meldet der ZVEI eine Stabilisierung: Die nominalen Erlöse der Elektroindustrie mit Gütern und Dienstleistungen dürften auf rund 226 Milliarden Euro steigen. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Beschäftigung blieb relativ konstant: Ende November waren rund 877.000 Menschen in der Branche tätig, ein Rückgang um 1,7 Prozent. Positiv wirkten sich zudem die Auftragseingänge aus, die im Berichtsjahr um insgesamt fünf Prozent zunahmen.

Die deutschen Exporte von Elektro‑ und Digitaltechnik entwickelten sich ebenfalls erfreulich: Mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 236,2 Milliarden Euro im Zeitraum von Januar bis November trugen vor allem die Lieferungen in die EU‑Binnenmarktstaaten und nach Großbritannien zur positiven Entwicklung bei. Diese stärkeren Binnenmarktexporte kompensierten Rückgänge in wichtigen Drittmärkten wie den USA und China.

ZVEI fordert gezielte politische Maßnahmen zur Stärkung der Industrie

Angesichts der schwierigen geopolitischen Lage fordert der ZVEI gezielte politische Maßnahmen zur Stärkung der industriellen Basis. Dazu zählen drei zentrale Handlungsstränge: Öffentliche Fördermittel sollten dort eingesetzt werden, wo sie Wertschöpfung schaffen und die Resilienz stärken. Ein „Made with Europe“-Ansatz könne die Wirtschaftssicherheit erhöhen, indem verlässliche Partnerschaften und Marktzugänge belohnt werden. Zudem sollten lokale Kapazitäten in sicherheitsrelevanten Sektoren und kritischer Infrastruktur vorgehalten werden.

Obwohl sich die Kapazitätsauslastung der Elektroindustrie mit 78 Prozent verbessert hat, liegt sie weiterhin unter dem langfristigen Mittel von 83 Prozent. Der ZVEI fordert Reformen zur Entlastung der Unternehmen: „Um neue wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, braucht es mutige Reformen, nicht nur Ankündigungen. Bürokratische Ungetüme in Europa und Deutschland belasten die Unternehmen weiterhin und stehen europäischer Wertschöpfung und Innovationen entgegen,“ so Dr. Kegel. Er schlägt vor, die Regelarbeitsgrenzen an die Lebenserwartung anzupassen und eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einzuführen, um den gesellschaftlichen Wohlstand langfristig zu sichern.

Industrielle KI als Wachstumsfeld für die Elektroindustrie

Ein weiterer Schwerpunkt des ZVEI liegt auf dem Potenzial von industrieller künstlicher Intelligenz (KI) für die Elektroindustrie. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI‑Geschäftsführung, beschreibt die besondere Ausgangsposition deutscher Unternehmen: „Unsere Unternehmen haben bei industriellen KI‑Anwendungen eine starke Ausgangsposition.“ Laut Weber gehe es nicht um große Sprachmodelle, sondern um industrielle Rechen‑ und Optimierungsmodelle, für die präzise industrielle Daten genutzt werden können. Deutschland habe aufgrund seiner industriellen Basis mehr von diesen Daten als andere Länder.

Laut einer Studie von IW Consult könnte Deutschland im Wachstumsfeld KI bis 2035 eine Wertschöpfung von 144 Milliarden Euro generieren. Allerdings kritisiert der ZVEI regulatorische Hemmnisse im EU‑Rechtsrahmen: „Industrielle KI im AI Act zu regulieren, ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn. Wir bremsen uns selbst aus. Das darf nicht sein. Der ZVEI fordert, dass industrielle Anwendungen aus dem AI Act herausgenommen werde.“

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