Konsortialprojekt ebnet den Weg für die operative Nutzung interoperabler Datenökosysteme
Factory-X schafft Grundlage für industrielle Datenräume und KI-Anwendungen
Freitag, 19. Juni 2026
| Redaktion
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Factory-X - Panelteilnehmer zum Thema: „Industrie im Wandel - ohne Daten-Ökosysteme keine (KI-) Zukunft?“ v.l.n.r.: Rainer Brehm (Siemens), Dr. Stephan Mayer (Trumpf), Prof.Dr. Dipl-Ing Berend Denkena (DMG Mori) Dr. Beate Baron (BMWE), Hagen Heubach (SAP)
Panelteilnehmer zum Thema: „Industrie im Wandel - ohne Daten-Ökosysteme keine (KI-) Zukunft?“ v.l.n.r.: Rainer Brehm (Siemens), Dr. Stephan Mayer (Trumpf), Prof.Dr. Dipl-Ing Berend Denkena (DMG Mori) Dr. Beate Baron (BMWE), Hagen Heubach (SAP), Bild: Factory-X

Industrielle KI, digitale Geschäftsmodelle und eine vernetzte Produktion benötigen vor allem eines: den sicheren Austausch von Daten über Unternehmensgrenzen hinweg. In der Praxis scheitert das jedoch häufig an fehlenden Standards, inkompatiblen Systemen und der Frage, wie Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten können. Genau hier setzt Factory-X an. Nach zweieinhalb Jahren Entwicklungsarbeit liegen nun die Ergebnisse des Projekts vor, das als Teil von Manufacturing-X die Grundlagen für offene und interoperable Datenräume in der Industrie schaffen soll. Unter der Leitung von Siemens und SAP arbeiteten 47 Konsortialpartner sowie zehn assoziierte Partner aus Industrie, Mittelstand, Forschung und Verbänden an gemeinsamen Konzepten für einen föderativen Datenaustausch. Ziel war es, technische und organisatorische Voraussetzungen zu schaffen, damit Unternehmen Daten sicher, standardisiert und souverän nutzen können.

Factory-X entwickelt Infrastruktur für den Datenaustausch

Im Zentrum des Projekts steht der sogenannte MX-Port. Die Integrationsarchitektur soll unterschiedliche Systeme, Anwendungen und Unternehmen miteinander verbinden und den Austausch industrieller Daten vereinfachen. Bislang erfolgt die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen häufig über individuelle Schnittstellen und proprietäre Lösungen. Das erschwert die Skalierung digitaler Anwendungen und verursacht hohen Integrationsaufwand. Mit dem MX-Port verfolgt Factory-X deshalb einen anderen Ansatz. Standardisierte Schnittstellen und gemeinsame Datenmodelle sollen dafür sorgen, dass Informationen entlang von Wertschöpfungsketten konsistent genutzt werden können. Gleichzeitig bleibt die Datensouveränität bei den jeweiligen Unternehmen. Sie entscheiden selbst, welche Informationen sie mit Partnern teilen und für welche Zwecke diese verwendet werden dürfen. Der MX-Port bildet damit die technische Grundlage für interoperable Datenräume über Unternehmens- und Ökosystemgrenzen hinweg.

Datenräume schaffen Mehrwert direkt in der Produktion

Dass Datenräume nicht nur ein theoretisches Konzept sind, zeigen die im Projekt entwickelten Anwendungsfälle. Insgesamt wurden elf Use Cases spezifiziert, prototypisch umgesetzt und validiert. Die Bandbreite reicht von der Zusammenarbeit zwischen Fabrikausrüstern und Anlagenbetreibern über datenbasierte Dienstleistungen bis hin zu Anwendungen im Qualitätsmanagement. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Datenräume nicht nur entlang klassischer Lieferketten Mehrwert schaffen können. Auch direkt auf dem Shopfloor eröffnen sich neue Möglichkeiten, Informationen effizienter zu nutzen, Produktionsabläufe transparenter zu gestalten und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren zu verbessern. Damit wird deutlich, dass Datenräume zunehmend zu einer Infrastruktur werden, auf der zukünftige digitale Anwendungen aufbauen können.

Erleichterter Einstieg für Mittelstand durch Factory-X

Ein besonderer Fokus des Projekts liegt auf kleinen und mittelständischen Unternehmen. Gerade im Mittelstand fehlen häufig die personellen und finanziellen Ressourcen, um komplexe digitale Infrastrukturen eigenständig aufzubauen. Factory-X verfolgt deshalb das Ziel, technische Einstiegshürden zu senken und die Nutzung von Datenräumen praxisnah zu gestalten. Die entwickelten Konzepte sollen sich in bestehende IT-Landschaften integrieren lassen und Unternehmen den Zugang zu neuen datenbasierten Geschäftsmodellen erleichtern. Dadurch erhalten auch kleinere Betriebe die Möglichkeit, digitale Services anzubieten, Prozesse zu optimieren und stärker von der Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsketten zu profitieren.

Industrielle KI benötigt hochwertige Daten

Mit dem zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz rückt die Qualität verfügbarer Daten stärker in den Fokus. Leistungsfähige KI-Anwendungen benötigen strukturierte, vertrauenswürdige und kontextualisierte Informationen. Genau diese Voraussetzung adressiert Factory-X. Die Projektpartner sehen interoperable Datenräume als wesentliche Grundlage für den künftigen Einsatz industrieller KI. Daten können standardisiert bereitgestellt und gemeinsam genutzt werden, ohne dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Informationen verlieren. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für datenbasierte Dienstleistungen, Software-as-a-Service-Angebote, optimierte Produktionsprozesse und perspektivisch auch für autonome industrielle Abläufe. Factory-X schafft damit die Voraussetzungen, um industrielle KI auf einer belastbaren Datenbasis aufzubauen.

Factory-X: Von der Projektphase in den operativen Einsatz

Mit dem Abschluss der Konsortialarbeit beginnt die nächste Phase. Die entwickelten Software-Komponenten wurden als Open Source veröffentlicht und stehen Anwendern für die weitere Nutzung zur Verfügung. Gleichzeitig wurden Voraussetzungen für einen dauerhaften Betrieb geschaffen. Betreiberorganisationen wie Cofinity-X stellen bereits heute den laufenden Betrieb sicher und zeigen, dass die entwickelten Konzepte auch im industriellen Maßstab eingesetzt werden können. In den kommenden Jahren stehen die internationale Nutzung, die Weiterentwicklung der technischen Komponenten sowie die Integration in industrielle Anwendungen im Mittelpunkt. Unterstützt wird dieser Prozess unter anderem von VDMA, ZVEI, Catena-X, IDSA und IDTA.

Datenräume werden zur Basis vernetzter Wertschöpfung

Factory-X versteht sich nicht als abgeschlossenes Digitalisierungsprojekt, sondern als Baustein einer zukünftigen Datenökonomie in der Industrie. Die Projektergebnisse zeigen, dass interoperable Datenräume technisch realisierbar sind und konkrete Anwendungsfälle unterstützen können. Nun gilt es, die entwickelten Konzepte in den industriellen Alltag zu überführen und die internationale Anschlussfähigkeit weiter auszubauen. Unternehmen erhalten dafür Werkzeuge, Standards und Architekturen, um Daten sicher auszutauschen und daraus neue Anwendungen zu entwickeln. Damit entsteht eine wichtige Grundlage für resiliente Wertschöpfungsnetzwerke, digitale Geschäftsmodelle und den breiteren Einsatz industrieller KI.

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