Interview mit Tofas Florinas und Adrian Hertstein von Janitza über Energiemanagement, Netzüberwachung und Spannungsqualitätsanalyse
Energieverbrauch im Blick: Netzvisualisierungssoftware Gridvis als Schlüssel zu Effizienz und Normsicherheit
Freitag, 24. April 2026
| Redaktion
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Tofas Florinas (li.) und Adrian Hertstein (re.) im exklusiven EAD-Talk-Interview mit Chefredakteurin Susanne Woggon über die Möglichkeiten der Netzvisualisierungssoftware von Janitza
Tofas Florinas (li.) und Adrian Hertstein (re.) im exklusiven EAD-Talk-Interview mit Chefredakteurin Susanne Woggon, Bilder: Tropal Media / Anja Huber

Die Netzvisualisierungssoftware Gridvis ist das zentrale Werkzeug zur Visualisierung und Auswertung von Energiedaten im Portfolio von Janitza. Sie vereint Funktionen für Alarmmanagement, Berichtserstellung und Dashboards und richtet sich sowohl an Energiemanager als auch an technische Experten in der Netzüberwachung. Dieses exklusive Interview mit Tofas Florinas, Produkt Marketing Manager Software, und Adrian Hertstein, Head of Product Management Software, macht deutlich, wie flexibel und zugleich tiefgehend die Software gestaltet ist. Das Gespräch zeigt, wie das System Unternehmen bei Energiemanagement, Netzüberwachung und Spannungsqualitätsanalyse normkonform und förderfähig unterstützt. Zudem erfahren wir, wohin die Reise zukünftig führen soll.

Für welche Einsatzbereiche haben Sie die Netzvisualisierungssoftware Gridvis entwickelt?

Tofas Florinas: Daten sind das Gold unserer Zeit. Ihren echten Wert entfalten sie erst dann, wenn man sie versteht. Genau hier setzt Gridvis an. Mit unserer Software sorgen wir dafür, dass Messdaten nicht nur gesammelt, sondern verständlich aufbereitet und ausgewertet werden. Auch komplexe Zusammenhänge lassen sich klar darstellen. So identifizieren Sie beispielsweise Verbrauchsspitzen direkt. Daraus ergeben sich konkrete Einsparpotenziale. Gridvis eignet sich für viele Einsatzbereiche. Ein Schwerpunkt ist die Fertigungsindustrie. Auch Rechenzentren sind ein großer, wachsender Markt. Hinzu kommen Gebäude und Infrastruktur.

Adrian Hertstein: Die Software funktioniert wie ein klassisches Energiemanagementsystem. Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise Energieverbräuche im elektrischen Netz überwachen. Damit geben wir Energiemanagern, Anlagenbetreibern und Betriebstechnikern ein Werkzeug zur Auswertung von Daten an die Hand. 

Aktuell liegt die Gridvis in der Version 9 in der Release 9.2.63 vor. Sind konkrete Kundenanforderungen in die Entwicklung mit eingeflossen? 

Adrian Hertstein: In die Entwicklung sind Kundenwünsche direkt eingeflossen. Ein Beispiel ist die neue Messstellenverwaltung. Damit legen Sie neben physischen Messgeräten auch virtuelle Messstellen an. Diese Messstellen fließen unmittelbar in Ihre Berichte ein. Zudem haben wir einen neuen Bericht für die Stromsteuerrückerstattung nach Paragraph 9a und 9b Stromsteuergesetz (StromStG) entwickelt. Sie nutzen ihn als fertige Vorlage für die Antragstellung. Zusätzlich haben wir die Geräteverwaltung in die Weboberfläche integriert. Das umfasst Konfiguration und Parametrierung der Geräte. 

Bei der Datenhaltung unterstützen wir jetzt Azure SQL. Damit lassen sich Daten auf Wunsch auch in der Cloud hosten. Darüber hinaus gab es viele Optimierungen hinsichtlich der Performance, sodass sich Daten wesentlich schneller aufrufen lassen.

Adrian Hertstein demonstriert die Netzvisualisierungssoftware Gridvis
Adrian Hertstein demonstriert die Funktionen der Netzvisualisierungssoftware Gridvis

Wie unterstützt die Software Unternehmen bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben?

Tofas Florinas: Das System schafft Vergleichsmöglichkeiten zwischen historischen und aktuellen Daten. So setzen Sie aktuelle Werte in Relation zu Vortag, Vorwoche oder Vormonat. Wichtig ist: Es geht um mehr als elektrische Energie. Über verschiedene Schnittstellen kann die Gridvis auch den Verbrauch von Gas, Wasser, Fluiden oder Druckluft erfassen.

Adrian Hertstein: In der Norm ISO 50001 steht vor allem die Identifizierung der großen Energieverbraucher im Mittelpunkt. An diesen Stellen entstehen konkrete Potenziale für Energieeinsparungen. Die Software schafft Transparenz und dient als Grundlage für die entsprechenden Erkenntnisse. So sparen Sie Energie dort, wo es wirkt. Das senkt Kosten, erhöht die Anlagenverfügbarkeit und unterstützt die Förderfähigkeit.

Tofas Florinas: Was auch wichtig ist: Wir liefern normkonforme Mess- und Auswertungsdaten. Das schafft Normsicherheit und unterstützt bei Energieaudits. Mit einer ISO 50001-Zertifizierung erfüllen Sie auch die Voraussetzungen für Bafa-Förderprogramme. Je nach Unternehmensgröße sind dabei Förderquotenzwischen 25 und 45 Prozent möglich.

Welche Rolle spielt die Netzvisualisierungssoftware bei der Überwachung der Spannungsqualität und der Differenzstromüberwachung?

Adrian Hertstein: Eine zentrale Rolle, denn genau diese Funktion ist Bestandteil der Software. Sie bietet sehr gute Werkzeuge für eine tiefgehende Netzüberwachung und zeigt statistisch auf, wie oft Spitzen oder Kurzzeitunterbrechungen auftreten. Zudem erkennt sie Transienten, also Risse in der Vollwelle. Da unsere Power Quality Analyzer die Daten mit sehr hoher Auflösung aufzeichnen, lässt sich die Häufigkeit der Vorfälle sehr präzise auswerten, eine entsprechende Bewertung vornehmen, interne und externe Fehlerquellen identifizieren und betroffene Stellen lokalisieren.

Tofas Florinas: Einiges davon ist standardisiert, wie zum Beispiel der Hochverfügbarkeitsreport, bei dem die entscheidenden Parameter von Janitza bereits vorausgewählt wurden. Die Gridvis zieht sich diese Daten automatisch und bezieht sie in den Bericht ein. Das ist eine enorme Erleichterung für die Anwender.

Gibt es in der Gridvis 9 neue Analysefunktionen oder Visualisierungstools? 

Adrian Hertstein: Die aktuelle Version vereinfacht Visualisierungen und Reportings. Objekte ermöglichen eine freie Gestaltung von Dashboards und Berichten. Neue Analyse-Objekte liefern zusätzliche Tiefe. Die Regressionsanalyse zum Beispiel zeigt Einflussfaktoren und Abhängigkeiten im Verbrauch. Oder auch eine Kurve, die statistisch bewertet, wann und wie viele Ereignisse in welcher Höhe aufgetreten sind. So erhält der Betreiber eine Einschätzung, wie stark oder schlimm das Problem in seinem Unternehmen eigentlich ist.

Tofas Florinas: Wir haben auch eine Grenzwertüberwachung entwickelt. Sobald vordefinierte Grenzbereiche über- oder unterschritten werden, erfolgt eine Alarmierung.

Wie ist die Netzvisualisierungssoftware strukturiert? Gibt es verschiedene Editionen? 

Adrian Hertstein: Es gibt mehrere Editionen der Software. Zum einen bieten wir die kostenlose Edition „Essentials” an. Damit lassen sich unsere Geräte in Betrieb nehmen und erste Power-Quality-Berichte und Analysen erstellen. Daneben gibt es die „Standard"- und die „Expert"- Edition. Diese unterscheiden sich im Funktionsumfang. Die „Standard"-Edition bietet einen einfachen Einstieg in das Energiemanagement. Mit Gridvis „Expert" steht der vollständige Funktionsumfang für maximale Transparenz zur Verfügung.

Im Gespräch

A propros Cloud: Welche Rolle spielt das Thema Cloud in Ihrer Software-Strategie?

Adrian Hertstein: Wir haben Digimondo, einen Spezialisten für IoT und Cloud-Technologien, in die Janitza-Gruppe integriert. Dieses Unternehmen bringt eine IoT-Plattform mit. Da die Cloud-Nutzung eine große Rolle in unserer Software-Strategie spielt, führen wir aktuell unsere Produkte mit denen von Digimondo zusammen. Unsere neuen Kollegen verfügen über umfassende Cloud-Expertise. Das bringt Janitza an dieser Stelle einen großen Schritt weiter.

Wie sieht es mit dem Thema Schnittstellen oder Integrationsmöglichkeiten, besonders in bestehende Systeme aus?

Adrian Hertstein: Wir setzen auf offene Schnittstellen wie OPC UA, REST API, CSV und Modbus. Damit integrieren Sie Janitza-Geräte sowie Geräte anderer Hersteller. Daten stehen über OPC UA oder REST API bereit. Das umfasst Live-Daten und historische Verläufe. Unser System eignet sich zudem als Middleware. Es dient als zentrale Instanz für Datenzugriff und Datenweitergabe.

Wie steht es um die Themen Skalierbarkeit, Benutzerfreundlichkeit und IT-Sicherheit?

Tofas Florinas: Die Software ist gut skalierbar. Das ist wichtig, da sich der Umfang der Projekte und Anwendungen unserer Kunden unterscheidet. Je nach Anzahl der Messpunkte, Geräte oder Benutzer können unterschiedliche Pakete erworben werden, die sich natürlich im Preis unterscheiden. 

Adrian Hertstein: Auf Benutzerfreundlichkeit legen wir großen Wert. In den letzten Jahren haben wir viel in die User Experience investiert. Wir haben die Fachkompetenz in diesem Bereich personell verstärkt. Damit decken wir zukünftige Anforderungen besser ab. Cybersecurity ist seit jeher ein großes Thema für Janitza. Selbstverständlich fließen Regulatorien wie der Cyber Resilient Act in die Produktentwicklung ein. Unsere Kunden profitieren von klar definierten Sicherheitsstandards.

Können Sie einen Ausblick geben, was in Zukunft noch geplant ist? 

Adrian Hertstein: Der Zusammenschluss mit Digimondo lässt erahnen, wohin die Reise geht. Software und Cloud-Technik verschmelzen zunehmend. Dieser Punkt prägt unsere Arbeit künftig stärker. Unsere Variante ist noch eine On-Premise-Lösung. Mit der verfügbaren IoT-Plattform entsteht jetzt eine stabile und skalierbare Basis. Darauf bauen wir auf, indem wir neue Produkte zielgruppenspezifisch in diese Plattform integrieren.

Herr Hertstein und Herr Florinas, wir danken Ihnen für die Einblicke in Ihre Netzvisualisierungssoftware Gridvis und das interessante Gespräch!

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