Bosch Rexroth öffnet Betriebssystem für Drittanbieter und präsentiert neues Planarsystem

Salesforce und Sick neue „ctrlX World“ Partner

Dr. Holger Schnabel, Product Owner „ctrlX Automation“ präsentiert anschaulich die Möglichkeiten von „ctrlX OS“

Auf der Fachpressekonferenz am 21. September 2922 im firmeneigenen Kunden- und Innovationszentrum „CU.BE“ in Ulm präsentierte Bosch Rexroth gleich zwei Neuheiten. Zum einen ist das echtzeitfähige, Linux-basierte Betriebssystem, das bisher exklusiv auf der Steuerung „ctrlX CORE“ zum Einsatz kam, ab sofort als separate Lösung für das industrielle Umfeld verfügbar. „ctrlX OS“ ist auf allen Ebenen, d.h. von der Feldebene bis in die Cloud, sowie auf unterschiedlichster Hardware einsetzbar. Zum anderen wurde das „ctrlX FLOW6D“ Planarsystem präsentiert, welches neue Handlungsspielräume und innovative Konzepte für Produktionsanlagen eröffnen soll. Bosch Rexroth hat das System mit zahlreichen Eigenschaften ausgestattet, die sich deutlich von bekannter Technologie abheben.

Mehr Freiheit in der Automatisierung

„Der Trend in der Automatisierung geht zunehmend in Richtung verteilter software- und datenbasierter Automatisierungslösungen - von der Feldebene über Edge-Devices bis in die Cloud. Und das bei gleichzeitig maximaler Vernetzung der Informationen. Dabei gelten für das gesamte Netzwerk die gleichen Maßstäbe hinsichtlich anwendbarer Software, Sicherheit, Tools und Kommunikationsschnittstellen“, erklärt Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth. „ctrlX AUTOMATION“ ist auf diese Anforderungen ausgerichtet. Das durchgängig offene Gesamtsystem, bestehend aus Hard- und Software sowie dem Partnernetzwerk „ctrlX World“, stellt alle Bausteine für komplette Automatisierungslösungen bereit.

„ctrlX OS“ ist Hardware-unabhängig und verbindet so noch mehr Automatisierungskomponenten nahtlos mit dem gesamten „ctrlX AUTOMATION“-Portfolio inklusive der Partner-Lösungen der „ctrlX World“. Über alle Ebenen der Automatisierungstopologie hinweg können softwarebasierte Funktionen noch einfacher und flexibler entwickelt, installiert, aktualisiert und betrieben werden. Durch die Hardware-Unabhängigkeit ist auch der Betrieb einer virtuellen Steuerung auf Hypervisor-Plattformen, im Rechenzentrum, auf Edge-Servern oder in der Cloud möglich. Das Betriebssystem unterstützt App-Technologie, webbasiertes Engineering, sicheres User-Management und leistungsfähigen Datenaustausch über den „ctrlX“ Data Layer. Es werden darüber alle Geräte im Netzwerk performant verbunden. Für alle Devices steht eine einheitliche Toolchain und ein Software Development Kit (SDK) zur Verfügung. Das „ctrlX“ Device Portal ermöglicht ein effektives Device Management weltweit. Hierbei handelt es sich um einen digitalen Service für die Ausbringung neuer Software-Funktionen, Verwaltung und Pflege von Geräteeinstellungen oder Fernwartung.

„ctrlX OS“ bedeutet Automatisierung auf allen Ebenen. Damit wird die Verschmelzung von IT- und OT-Anwendungen im Sinne der Industrie 4.0 nun vereinfacht. Über „ctrlX OS“ besteht Zugriff auf alle Apps aus dem „ctrlX Store“ und die „ctrlX AUTOMATION“ Community. Anwendende können zudem eigene Software auf jeglicher Hardware, passend zur Applikation, betreiben. Und das Ganze findet auf einer extrem sicheren Ebene statt: Ein gehärteter Software-Stack sorgt für ein hohes Maß an Cybersecurity. „Der Markt hat uns eindeutig bestätigt: Wir bieten das modernste, offenste und sicherste Betriebssystem in der Automatisierungstechnik. Wir gehen nun den mutigen Schritt, dieses Betriebssystem auch anderen Anbietern von Automatisierungskomponenten zur Verfügung zu stellen und beweisen damit erneut unser Bekenntnis zur maximalen Offenheit“, sagt Steffen Winkler.

Neues Planarsystem hebt (sich) ab

Ein Planarsystem dient als berührungsloses Schwebesystem zur effizienten und sicheren Beförderung, Positionierung und Handhabung einer Nutzlast. Auf einer modular anpassbaren Arbeitsfläche können mehrere Mover unterschiedlicher Form und Größe in jeweils sechs Dimensionen gesteuert werden. Möglich machen dies starke, speziell angeordnete Permanentmagnete. Aufgrund ihrer Modularität und einfachen Anpassbarkeit können Planarsysteme in zahlreichen industriellen Branchen eingesetzt werden, beispielsweise in der Halbleiterindustrie, in der Nahrungsmittelbranche, Pharmaindustrie oder in Montageanlagen.

Joachim Frangen, Chief Expert für Fertigungsautomatisierung

„ctrlX FLOW6D“ eröffnet neue Handlungsspielräume und innovative Konzepte für Produktionsanlagen. Bosch Rexroth hat das System mit zahlreichen Eigenschaften ausgestattet, die sich deutlich von bekannter Technologie abheben. Wesentlich größere Bewegungsbereiche wie 20 Millimeter Schwebehöhe, 10 Grad Kippwinkel und endlose Rotation an beliebigen Einsatzorten setzen neue Maßstäbe. Die sechs Freiheitsgrade der Mover sind beliebig miteinander kombinierbar, beispielsweise kann ein Drehen und Kippen während der Fortbewegung erfolgen. Ebenso ist ein vertikaler oder Überkopf-Betrieb des Systems möglich. Die Mover sind vernetzt: Anwendenden stehen Strom und Daten auf der schwebenden Plattform zur Verfügung. Durch Ausrüstung mit Aktoren, Sensoren und Handhabungskomponenten kann ein Mover in einen aktiven Agenten verwandelt werden.

Diese und weitere Eigenschaften ermöglichen komplett neue Anlagenkonzepte und Workflows. Beispielsweise können Mover in einer Prozesskammer betrieben, Transport- und Prozessaufgaben nahtlos kombiniert und Transportsysteme vereinheitlicht werden. Die zusätzlichen Freiheitsgrade erlauben Einsparungen in der Peripherie, so dass die Anlage kompakter und preiswerter wird. „‚ctrlX FLOW6D‘ ist das Rückgrat einer flexiblen und effizienten Produktion. Als offenes System kann es nahtlos mit unterschiedlichen Anlagen und Systemen interagieren. Die softwaregesteuerte Produktion ermöglicht die schnelle Anpassung an geänderte Produkte oder Prozesse“, erklärt Steffen Winkler.

Salesforce und Sick treten „ctrlX World“ bei

Bosch Rexroth hat mit „ctrlX AUTOMATION“ eine Automatisierungswelt geschaffen, in der das Fachwissen von Unternehmen aus unterschiedlichen Domänen im Sinne der Co-Creation vereint wird. Das Partnernetzwerk erweitert den Automatisierungsbaukasten um Hardware und insbesondere um immer mehr neue Apps. Mehr als 60 Drittanbieter haben sich der Partnerwelt schon angeschlossen - jüngst auch Salesforce und Sick. „Die Lösungen von ‚ctrlX AUTOMATION‘ haben unter anderem zum Ziel, dass Maschinenbauer eine schnelle Time-to-Market umsetzen und Anwendende möglichst effizient produzieren können. Dies unterstützen wir gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Ebenen und Fachdomänen. In unserem ‚ctrlX Store‘ lassen sich Apps von Bosch Rexroth und Third-Party-Anbietern für jegliche Automatisierungsaufgaben herunterladen. Unsere Partnerwelt wächst in einem immer schnelleren Tempo. So konnten wir die Anzahl der Drittanbieter innerhalb weniger Wochen von 50 auf aktuell rund 60 erhöhen“, erklärt Hans Michael Krause, Leiter Produktmanagement „ctrlX World“ bei Bosch Rexroth.

Walter Reithofer, Senior Vice President R&D bei Sick

Zu den neuesten Partnern gehören Salesforce und Sick. Der marktführende CRM-Anbieter Salesforce bringt seine Expertise und Lösungen in die „ctrlX World“ ein. Damit werden Anwendende bei der Umsetzung von digitalen Service-Konzepten unterstützt. Mit den Apps und Services (SaaS) können Unternehmen ihre Wertschöpfungskette und Partner vernetzen, neue Services implementieren und Prozesse automatisieren. So lassen sich zum Beispiel neue Geschäftsmodelle, proaktive Services und zentrale digitale Touchpoints ausprägen. „Unsere gemeinsamen Lösungen mit Bosch Rexroth und anderen Partnern aus der ‚ctrlX World‘ ermöglichen die datenbasierte Entscheidungsfindung und Geschäftsautomatisierung im Maschinenbau und anderen Branchen. Beispielsweise können Hersteller alle Daten, die von ‚ctrlX AUTOMATION‘ kommen, schnell visualisieren und analysieren. Ein weiterer Use Case kann die präventive Wartung von Maschinen oder die Automatisierung von Ersatzteilbestellungen sein. Unsere Manufacturing Cloud ermöglicht Geschäfts- und Service-Automatisierung auf der Grundlage von Business Intelligence. ‚ctrlX AUTOMATION‘ stellt die wichtigen Daten dazu bereit.“, erklärt Jürgen Brixel, Regional Vice President Industry Solutions & Strategy bei Salesforce.

Auch Sick ist der „ctrlX World“ beigetreten und schafft gemeinsam mit Bosch Rexroth Wertschöpfung aus Sensordaten. Das Unternehmen ist auf Sensor- und Systemlösungen für industrielle Anwendungen spezialisiert - von der Fabrik über die Logistik- bis zur Prozessautomation. Mit dem Lösungsportfolio schafft Sick sichere Arbeitsumgebungen und ermöglicht effiziente Automatisierung und Digitalisierung. Neben einfachster Integration von Sensordaten wird auch das etablierte Eco-System „SICK AppSpace“ - ein Engineering-Framework für Sensorapplikationen - auf der Steuerung „ctrlX CORE“ anwendbar gemacht. Dies öffnet das Tor zu Sensor-Apps und digitalen Dienstleistungen. „Durch die Integration unserer Lösungen in die ‚ctrlX AUTOMATION‘-Partnerwelt können wir Sensor- und Applikationsdaten so einfach wie möglich bereitstellen. Dies geschieht über den ‚ctrlX Data Layer‘. Er bietet einen sicheren und verwalteten Zugriff auf die Daten. Maschinenbauer profitieren zum Beispiel denkbar einfach von wertvollen Daten und können diese im Sinne der IoT- und Industrie 4.0-Anforderungen nutzbar machen“, sagt Walter Reithofer, Senior Vice President R&D bei Sick.
 

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