Mobilität in der Intralogistik erfolgt zunehmend autonom. Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF / FTS), Shuttlesysteme und autonome mobile Roboter (AMR) übernehmen zentrale Aufgaben im innerbetrieblichen Materialfluss. Robotik, Sensorik und künstliche Intelligenz ermöglichen flexible Transportlösungen, die sich an wechselnde Durchsätze und Layouts anpassen lassen.
Während stationäre Fördertechnik häufig hohe Dynamik bietet, bleibt sie nach der Installation wenig flexibel. Autonome Intralogistiksysteme lassen sich dagegen skalieren und vergleichsweise einfach erweitern. Parallel dazu entwickeln sich mobile Serviceroboter weiter, bis hin zu ersten humanoiden Anwendungen für automatisierte Lager- und Produktionsumgebungen. „Mit ihren Exponaten von FTF, mobilen Robotern, Shuttles und Carrybots zeigen die Robotikspezialisten sowie einige Anlagenbauer, Systemintegratoren und Flurförderzeuge-Hersteller auf der LogiMAT 2026 den aktuellen Stand der Produktentwicklung“, erklärt Messeleiter Michael Ruchty vom Veranstalter Euroexpo.
Autonome Intralogistik-Lösungen in Halle 8
Die Neuheiten im Bereich FTF und AMR sind auf der Logimat 2026 überwiegend in Halle 8 gebündelt. Dort zeigt beispielsweise Artisteril Robotics eine Produktionsanwendung, in der ein humanoider Roboter kollaborativ mit einem autonomen mobilen Roboter arbeitet. Solche geschlossenen Umgebungen unterliegen geringeren regulatorischen Anforderungen als offene Lagerbereiche. Für den innerbetrieblichen Transport im freien Raum präsentieren mehrere Anbieter neue Systeme. Ek Robotics stellt die fahrerlose Transportplattform „X MOVE“ in Kombination mit dem kognitiven Roboter „MAiRA“ von Neura Robotics vor. Das System verbindet Transport und Handling von Kleinladungsträgern.
Innok Robotics zeigt erstmals die neue „Induros“-Familie mit den Modellen „350s“, „700“, „700s“ und „1300“. Ergänzt wird das Line-up durch einen neuen Flottenmanager zur zentralen Planung und Steuerung kompletter Roboterflotten. Ein nachrüstbares Ware-zum-Mitarbeitenden-System für Fachbodenanlagen ohne bauliche Änderungen zeigt Neo Intralogistics. Die autonomen Roboter navigieren durch bestehende Lagergänge und versorgen Kommissionierstationen direkt. Mit dem AMR „MBT 08“ präsentiert Martin Systems ein Fahrzeug mit breitenverstellbarem Lift, das unterschiedliche Gebindegrößen handhaben kann und bestehende Übergabestationen nutzt.
Modulare Plattformen für flexible Intralogistik
Modulare Fahrzeugkonzepte gewinnen in der Intralogistik an Bedeutung. W. Gessmann zeigt mit dem „GESSbot“ eine Plattform, die sich über unterschiedliche Aufbauten anpassen lässt. Als Wagentransporter kann das System Rollwagen, Paletten oder Gitterboxen bewegen. In Kombination mit Rollenförderern und einem Hubsystem sind Hubbewegungen bis 300 Kilogramm und 300 Millimeter möglich.
SEW-Eurodrive präsentiert eine kompakte AMR-Plattform mit einer Nutzlast von bis zu 1.600 Kilogramm und kontaktloser Energieübertragung über „Movitrans“. Auch Igus stellt mit „ReBeLMove Pro“ eine modulare Plattform vor, die Lasten transportieren oder ziehen kann und sich mit Förderbändern, Cobots oder Regalsystemen kombinieren lässt.
Palettentransport und Staplerautomation
Für den Palettentransport zeigt Filics die überarbeitete „Filics Unit“. Das bodenbasierte AMR-System besteht aus zwei getrennten Roboterkufen, nimmt Paletten direkt vom Boden auf und kann diese vollständig durchfahren. Dadurch lassen sich neue Prozesse in Blocklagern oder beim Lkw-Beladen realisieren.
Melkus Mechatronic präsentiert den optimierten Palettentransporter „G130 3.0“ sowie erstmals den fahrerlosen „BLS4060 Rack Stacker“ für Euroboxen. Stäubli zeigt den selbstfahrenden Gegengewichtsstapler „FL1500“ und Hubhöhen von mehr als drei Metern erreicht. Multiway Robotics stellt automatisierte Stapler mit KI-gestützter Hindernisklassifikation und Bewegungsprognosen vor.
Intralogistik entwickelt sich über Details weiter
Auch die klassischen Flurförderzeuge-Hersteller nutzen die Logimat für Produktneuheiten. Cesab zeigt neue Elektro-Gegengewichtsstapler, Kalmar stellt die „TT7“-Terminal-Zugmaschinen erstmals in Europa vor. Toyota präsentiert unter anderem den neuen „Traigo80“, Still erweitert sein Portfolio um neue Niederhubwagen und Schubmaststapler. Linde zeigt neue Schubmaststapler sowie Elektrostapler der „Xi“-Baureihe mit verbesserter Sicht.
„Flurförderzeuge, FTF und AMR lassen sich nicht gänzlich neu erfinden“, resümiert Logimat-Messeleiter Ruchty abschließend. „Aber getreu dem diesjährigen Messemotto ‚Passion for Details‘ zeigen die Hersteller mit ihren Geräteentwicklungen, dass es immer noch ein paar Neuerungen gibt, die den kleinen Unterschied bei Effizienz, Flexibilität und Skalierbarkeit ausmachen. Insbesondere im Bereich der Robotik, das zeigen die genannten Beispiele, werden die Weiterentwicklungen Richtung Individualisierung und humanoider Roboter die nächsten Jahre prägen. Die Prozessautomatisierung in der Intralogistik bleibt weiterhin spannend.“