ZVEI fordert mehr Wettbewerbsfähigkeit und weniger Regulierung
Daniel Hager übernimmt als neuer Präsident die Verbandsspitze des ZVEI
Donnerstag, 21. Mai 2026
| Redaktion
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Daniel Hager übernimmt als Präsident die Verbandsspitze des ZVEI
Daniel Hager übernimmt als Präsident die Verbandsspitze des ZVEI, Bild: ZVEI

Der ZVEI stellt sich personell und inhaltlich neu auf. Mit Daniel Hager, neu gewählter Präsident des ZVEI und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hager Group, übernimmt ein langjährig im Verband aktiver Industrievertreter für drei Jahre das Präsidentenamt. Im Mittelpunkt seiner ersten Rede auf dem eSummit standen Wettbewerbsfähigkeit, industrielle KI, Mikroelektronik sowie die Zukunft des Industriestandorts Europa. „Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes. Wir müssen wieder stärker darauf schauen, was unseren Standort wirklich trägt: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit”, betont Daniel Hager, Präsident des ZVEI. Auf dem eSummit forderte er Bundeskanzler Friedrich Merz dazu auf, politischen Stillstand zu überwinden und Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialkosten einzuleiten.

ZVEI fordert weniger Regulierung bei industrieller KI

Ein Schwerpunkt der Rede lag auf industriellen KI-Anwendungen. Laut ZVEI verfügt die deutsche Elektro- und Digitalindustrie insbesondere bei industrieller KI über starke Kompetenzen, etwa in den Bereichen Robotik, Prozessindustrie, Stromnetze und Gebäudeautomation. „Eine Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liegt in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen, für Roboter, Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude und vieles mehr. Um sie auszuspielen, brauchen wir mehr Gestaltungsfreiräume”, so Hager. Der Verband fordert deshalb weiteren Abbau von Doppelregulierung. Der jüngst erzielte Kompromiss zum KI-Omnibus sei zwar eine Verbesserung, erfasse aber noch nicht alle relevanten Anwendungen. „Auch bei Medizinprodukten gehört Doppelregulierung abgeschafft”, so Hager.

Halbleiterbedarf in Europa steigt laut ZVEI deutlich an

Darüber hinaus rückte der Verband die strategische Bedeutung der Mikroelektronik in den Fokus. Laut einer neuen ZVEI-Studie soll sich der Halbleiterbedarf in Europa bis 2040 verdoppeln, während der Bedarf der europäischen Industrie sogar um den Faktor 2,4 wächst. Wachstumstreiber sind insbesondere Automotive, Energie, Robotik sowie neue Anwendungen rund um industrielle KI und autonome Systeme. Gleichzeitig sieht die Studie Nachholbedarf bei europäischen Kompetenzen für KI-Chips, Logik- und Speicherbausteine. 

„Auf die steigenden Bedarfe muss Europa schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken”, forderte Daniel Hager, Präsident des ZVEI. „Bei Schlüsseltechnologien darf Europa nicht in einseitige Abhängigkeiten rutschen.” Nach Einschätzung des Verbands kommt der Mikroelektronik eine zentrale Rolle für industrielle Souveränität, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit Europas zu. Der ZVEI fordert deshalb einen schrittweisen Ausbau des europäischen Mikroelektronik-Ökosystems, beginnend bei Chipdesign und Advanced Packaging. Herausforderungen bleiben hohe Produktionskosten sowie lange Genehmigungs- und Förderprozesse im Vergleich zu asiatischen Standorten.

Wettbewerbsfähige Energiepreise bleiben zentral für den ZVEI

Auch die Energiepolitik spielte auf dem eSummit eine wichtige Rolle. Aus Sicht des ZVEI hängt die Akzeptanz elektrischer Mobilität und elektrischer Wärme eng mit wettbewerbsfähigen Strompreisen zusammen. Der Verband fordert deshalb, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Dies sei notwendig, um Elektrifizierung und industrielle Transformation wirtschaftlich tragfähig umzusetzen.

Langjähriges Engagement in der Elektroindustrie

Daniel Hager ist seit 15 Jahren im Verband aktiv. Er war unter anderem Vorsitzender des Fachverbands Elektroinstallationssysteme sowie Vorsitzender der Plattform Gebäude. Neu zu Vizepräsidenten des ZVEI gewählt wurden Dr. Peter Körte von Siemens, Dr. Frank Meyer von Bosch und Dr. Peter Weckesser von Schneider Electric. Dem Engeren Vorstand gehören außerdem Dr. Markus Bergholz von Kostal, Christian O. Erbe von Erbe Elektromedizin, Philip W. Harting von Harting, Tim Holt von Siemens Energy, Ulrich Leidecker von Phoenix Contact, Philipp Steinberger von Wöhner und Andreas Urschitz von Infineon an.

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