Anforderungen an die Cyber-Sicherheit steigen rasant
Industrial Cyber Security: KI wird auf der Hannover Messe zur dominanten Technologie
Donnerstag, 19. Februar 2026
| Redaktion
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Industrieunternehmen stehen hinsichtlich Industrial Cyber Security besonders unter wachsendem Druck
Industrieunternehmen stehen hinsichtlich Cyber Security besonders unter wachsendem Druck, Bild: Deutsche Messe

Industrial Cyber Security steht angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Bedrohungslagen zunehmend im Fokus der Industrie. Produktionsunternehmen, Anlagenbetreiber und Maschinenbauer sehen sich mit einer wachsenden Zahl professionell organisierter Angriffe konfrontiert. Auf der Hannover Messe wird deutlich, dass sich die Sicherheitsanforderungen grundlegend verändern und künstliche Intelligenz dabei eine zentrale Rolle übernimmt.

Industrial Cyber Security unter dem Druck neuer Angriffsmodelle

Cyber-Kriminalität hat sich zu einer arbeitsteilig organisierten Industrie entwickelt. Cybercrime-as-a-Service stellt komplette Angriffsketten, Erpressungsinfrastrukturen und automatisierte Werkzeuge bereit. Dadurch werden Angriffe skalierbar und auch für weniger versierte Akteure zugänglich. Die Grenzen zwischen kriminellen Gruppierungen und staatlich gesteuerten Akteuren sind zunehmend schwer zu unterscheiden.

Götz Schartner, Gründer und Geschäftsführer des Cybersecurity-Anbieters „8com“, berät seit vielen Jahren Industrieunternehmen beim Aufbau und Betrieb von Security Operations Centern (SOCs) sowie bei Managed Security Services. Auf der Hannover Messe wird er mit seinem Team ein Security Operations Center realitätsnah nachbilden, um Abläufe, Analyseprozesse und Reaktionsmechanismen praxisorientiert zu zeigen.

KI verändert Angriffs- und Verteidigungsstrategien

Nach Einschätzung von Schartner wird KI im Jahr 2026 zur dominanten Technologie in Angriff und Abwehr. Angreifer setzen KI ein, um Phishing-Kampagnen, Social-Engineering-Angriffe sowie Schwachstellenanalysen weitgehend zu automatisieren. Auch komplexe Angriffsszenarien lassen sich durch lernende Systeme schneller vorbereiten und anpassen.

Gleichzeitig verändert KI die Verteidigungsstrategien hinsichtlich Cyber-Sicherheit im Industrieumfeld. Systeme zur Anomalieerkennung, zur Analyse von Angriffsmustern oder zur Priorisierung von Alarmmeldungen gewinnen an Bedeutung. In Security Operations Centern unterstützt KI bei der Triage von Vorfällen sowie bei der Incident Response. Das auf der Hannover Messe aufgebaute SOC soll verdeutlichen, wie industrielle Unternehmen Sicherheitsvorfälle strukturiert erkennen und bearbeiten.

Industrial Cyber Security und Zero-Trust-Konzepte für OT-Umgebungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Industrial Cyber Security auf der Hannover Messe liegt auf sicheren Fernzugriffslösungen für industrielle Umgebungen. Secomea zeigt eine Zero-Trust-basierte Remote-Access-Lösung, die speziell für Operational Technology konzipiert wurde. Ziel ist es, den Fernzugriff auf Maschinen und Produktionsanlagen kontrolliert und transparent zu steuern. Die Lösung unterstützt Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen wie IEC 62443 und NIS2 umzusetzen. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass bestehende Produktionsprozesse nicht beeinträchtigt werden. Der Schutz kritischer Anlagen sowie die sichere Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern stehen im Vordergrund.

Industrial Cyber Security als organisatorische Aufgabe

Neben technischen Maßnahmen rückt die organisatorische Verankerung von Industrial Cyber Security stärker in den Mittelpunkt. Die DSN Group legt auf der Hannover Messe den Fokus auf strukturierte Informationssicherheits-Managementsysteme, ISMS, nach ISO/IEC 27001 und branchenspezifischen Standards. Angesichts gestiegener Angriffszahlen, komplexer Betriebsstrukturen und neuer regulatorischer Vorgaben benötigen viele Industrieunternehmen Unterstützung beim Aufbau belastbarer Sicherheitsprozesse. Mit der zunehmenden Nutzung generativer KI steigen zudem die Anforderungen an Governance, Risikomanagement und klar definierte Verantwortlichkeiten. Strukturierte Management-Systeme tragen dazu bei, Sicherheitsmaßnahmen dauerhaft im Unternehmen zu verankern und Risiken systematisch zu bewerten. Damit wird Industrial Cyber Security von einer reaktiven Einzelmaßnahme zu einer strategischen Managementaufgabe.

Plattform „Industrial Security Circus“ in Halle 26

Zentrale Anlaufstelle für das Thema Industrial Cyber Security auf der Hannover Messe ist der „Industrial Security Circus“ in Halle 26. Die Plattform bringt Fachleute, Lösungsanbieter und Anwender zusammen, um aktuelle Bedrohungsszenarien, regulatorische Entwicklungen und praxisnahe Schutzkonzepte zu diskutieren. In unmittelbarer Nähe befindet sich die „5G & Industrial Wireless Arena“. Dort stehen drahtlose Schlüsseltechnologien wie 5G, 6G und NB-IoT im Mittelpunkt. Für vernetzte Produktionsumgebungen gewinnen diese Technologien weiter an Bedeutung und erhöhen zugleich die Anforderungen an Industrial Cyber Security.

Die Entwicklungen auf der Hannover Messe zeigen, dass Cyber-Sicherheit für industrielle Unternehmen zu einer grundlegenden Voraussetzung geworden ist. Industrial Cyber Security entscheidet zunehmend darüber, wie stabil, regelkonform und widerstandsfähig Produktions- und Infrastruktursysteme im Jahr 2026 aufgestellt sind.

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