KfW-Ifo-Fachkräftebarometer: Fachkräftemangel durch schwache Konjunktur abgemildert

Rund 36 Prozent der deutschen Hersteller von Elektronik und Elektrotechnik sehen ihre Geschäftstätigkeit durch fehlendes Fachpersonal beeinträchtigt

Auszug aus dem KfW-Ifo-Fachkräftebarometer

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich aufgrund der schwachen Konjunktur weiter abgeschwächt: Im zweiten Quartal 2024 melden 35 Prozent der Unternehmen im KfW-Ifo-Fachkräftebarometer eine Einschränkung ihrer Geschäftstätigkeit durch fehlendes Fachpersonal. Das ist rund ein Prozentpunkt weniger als im Januar 2024, dem Zeitpunkt der letzten Befragung, und 15 Prozentpunkte weniger als im Juli 2022, als der Fachkräftemangel seinen bisherigen Höchststand seit Beginn der Befragung erreichte. Trotz des deutlichen Rückgangs bleibt der Fachkräftemangel im historischen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau und stellt damit weiterhin eine Herausforderung für die Wirtschaft dar.

Der Fachkräftemangel hat sich in verschiedenen Industriebranchen deutlich abgeschwächt. Relativ gering betroffen sind derzeit unter anderem die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen mit 15 Prozent und die Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung mit 14 Prozent. Auch bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen geht der Fachkräftemangel zurück: Klagte vor zwei Jahren mit rund 56 Prozent noch mehr als die Hälfte der Unternehmen über zu wenig Personal, war es im vergangenen Jahr nur noch ein Drittel. In diesem Jahr sind rund 36 Prozent der Unternehmen dieser Branche von Fachkräftemangel betroffen.

Fachkräftemangel trifft den Dienstleistungssektor stärker als das Verarbeitende Gewerbe

Im Vergleich dazu bleibt der Fachkräftemangel im Dienstleistungssektor deutlich überdurchschnittlich hoch. Hier sehen 42 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Im Verarbeitenden Gewerbe sind dagegen mit 25 Prozent deutlich weniger Unternehmen betroffen, da die konjunkturelle Abschwächung seit Mitte 2022 vor allem in Industrieunternehmen die Nachfrage nach Arbeitskräften reduziert hat. Allerdings sind immer noch fast dreimal so viele Industrieunternehmen betroffen wie im langfristigen Durchschnitt: Im Durchschnitt aller Quartale seit 1991 meldete jedes zehnte Industrieunternehmen Engpässe aufgrund fehlender Fachkräfte. Insgesamt waren im zweiten Quartal 2024 kleine und mittlere Unternehmen mit 34 Prozent etwas weniger betroffen als Großunternehmen mit 36 Prozent.

Regionale Unterschiede zeigen sich ebenso wie bei den Branchen. Besonders ausgeprägt ist der Fachkräftemangel derzeit in Ostdeutschland mit 40 Prozent betroffenen Betrieben. Zum Vergleich: In Hessen und Rheinland-Pfalz liegt der Anteil bei 32 Prozent. In vielen Regionen der ostdeutschen Bundesländer haben Arbeitgeber aufgrund des spürbaren Rückgangs der inländischen Erwerbsbevölkerung und der geringen Zuwanderung besondere Schwierigkeiten, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Insbesondere strukturschwache ländliche und kleinstädtische Regionen drohen dadurch wirtschaftlich zurückzufallen.

Anziehende Konjunktur wird Mangel an Fachkräften wieder verstärken

„Die Fachkräfteknappheit bleibt weiter ein großes Thema für die Unternehmen in Deutschland, auch wenn sie aufgrund der konjunkturellen Schwächephase erneut etwas zurückgegangen ist", sagt Dr. Fritzi Köhler. Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Mit 35 Prozent behindert sie immer noch einen erheblichen Teil der Unternehmen. Alle Wirtschaftsbereiche sind betroffen, große Unternehmen etwas häufiger als der Mittelstand. Mit dem erwarteten Anziehen der Konjunktur wird auch der Mangel an Fachkräften sich wieder verstärken. In welchem Ausmaß, hängt davon ab, wie erfolgreich ein Gegensteuern gelingt, etwa mit Anreizen für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren, mit der Anwerbung und Integration qualifizierter Zuwandernder, bedarfsgerechter Qualifizierung und Umschulung von Arbeitnehmern sowie Maßnahmen zur Steigerung der einzel- und gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität, zum Beispiel durch eine stärkere Digitalisierung."
 

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